Sag JA zur Winterdepression!
Ich les es in immer mehr Blogs und hör es es fast im gesamten Bekannten- und Freundeskreis: alle Welt lamentiert über den doofen Winter und wie schlecht man sich dabei fühlt.
Wir fühlen uns lust- und antriebslos, kriegen den Arsch nicht hoch und haben schlechte Laune. Dauerkälte, keine Sonne, dreckiges und spiegelglattes Eis in kleinen Straßen und auf Gehwegen. Dazu noch diese elende Scheibenkratzerei jeden Morgen. Jeder rennt mit ner Fresse rum, alles ist grau und ätzend und dann auch noch dieses unglaubliche Schlafbedürfnis... ich könnte ja ständig schlafen! Mein Mittagstief dauert mittlerweile von morgens bis abends und dann geh ich ins Bett.
Doch was liest und hört man nicht alles für tolle Tips: Viel Obst essen! Vitamine, jawoll! Sport im Freien machen! Auf die Sonnenbank gehen, das setzt Vitamin D und Endorphine frei. Duftkerzen, Aromatherapie, gönn Dir mal was.
Wir dürfen nämlich nicht durchhängen. Wir müssen immer energiegeladen und gut drauf sein. Tschakka! Zeig's dem Leben!
Doch was ist, wenn ich das gar nicht will?!
Die ganze Natur darf in unseren Breitengraden einige Gänge runterschalten. Bäume und andere Pflanzen machen Schläfchen. Die Tiere pennen eh bis es wieder warm wird oder ernähren sich in muckeligen Bauten von ihren Vorräten. Außer einige Ausnahmen, die eh immer leicht hysterisch sind (Vögel, Eichhörnchen). Noch vor wenigen Generationen machten unsere Vorfahren das Gleiche. Da wurde das Vieh versorgt und nur die allernötigsten Arbeiten verrichtet und ansonsten saß man vor dem Ofen, schnitzte Löffel oder flickte die Klamotten bis der Stress mit der Aussaat wieder los ging.
Aber wir modernen Menschen haben zu funktionieren und ständige Lebendigkeit und Frohsinn an den Tag zu legen.
Mach ich nicht mehr mit! Ich will jetzt schlecht gelaunt sein und ich will meinen Hintern auf der Couch parken, wann immer ich Gelegenheit dazu habe. Ich will mich nicht pushen, mit Vitaminen vollstopfen oder sonstwie dagegen angehen. Ich genieße es!
Ich habe mir Freitag und Montag freigenommen und es war bisher herrlich: Freitag habe ich den ganzen Tag auf der Couch gelegen und mich in Etappenschlaf geübt. Samstag waren Herz und ich kurz einkaufen und dann kuschelten wir auf seiner Couch rum, guckten fern, haben gelesen, Mittagsschläfchen gemacht und der Rest geht Euch nichts an. Jetzt bin ich wieder daheim und wieder häng ich auf halb acht in meiner Kuhle. Vielleicht raff ich mich morgen auf und schmeiß wenigstens ne Ladung Wäsche in die Maschine, aber sicher bin ich mir da nicht.
Und wenn Dienstag unausweichlich die saublöde Frage kommt, ob ich was Schönes unternommen hätte, werde ich zufrieden mit JA antworten: ich habe meine Winterdepression gepflegt und es war toll!
Bald ist Frühling!










